Die Bildsprache der Märchen
Vortrag mit anschließendem Gespräch
„Märchen sind Bilder einer heimatlichen Welt, nach der wir uns sehnen,
in die wir mit unserem eigentlichen Wesen hineingehören.“ (Novalis)
Maere heißt Kunde. Die Märchen geben uns Kunde vom Menschen im
tiefsten Sinne: von seinem Wesen, seiner geistig-seelischen Natur. Sie
sind „Erzählungen vom übersinnlichen Menschen“ (N.A. Afanasjew). Die
imaginativen Wahrbilder, hervorgegangen aus der Einweihung, lassen
uns dieses Wesen immer tiefer erahnen und den Weg dazu finden. Die
Märchenbilder bereiten die menschliche Seelenstimmung vor für das
Wiederempfangen der geistigen Welt.
Sind Märchen grausam? Diesen Anschein erwecken sie fälschlicherweise
nur dann, wenn das intellektuelle Bewusstsein diese Bilder auf die
physische Ebene herunterzieht, wo sie nicht hingehören!
Zentrale Märchen der Brüder Grimm und weitere mitteleuropäische
Volksmärchen sind aus dem esoterischen Christentum hervorgegangen.
Die Worte Christian Morgensterns „lch habe den Menschen gesehen in
seiner tiefsten Gestalt“ treffen vollumfänglich für die Bilder dieser
Märchen zu. Sie geben Kunde von einer Welt, der wir mit unserem
eigentlichen inneren Wesen angehören und stellen -Wegbeschreibungen
für den inneren Menschen dar. Die Wahrbilder der Märchen lassen uns
die Entwicklung des Menschen in tiefer, differenzierter Weise, neu
verstehen. Sie bringen das Allertiefste im geistigen Leben in der
einfachsten Weise zum Ausdruck und „“sind aus jener ewigen Quelle
gekommen, die alles Leben betaut“ (Brüder Grimm).



